LEBEN

Fritz Weiss

Max Friedrich Weiss, am 23. Februar 1877 in Zürich geboren und am 22. Oktober 1955 in Heidelberg verstorben, war ein deutscher Diplomat und Orientalist. Fritz hatte Rechtswissenschaften und Chinesisch studiert. In China war er Konsul in Chengdu (Sichuan) und Yünnanfu (heute Kunming, Yunnan). Spätere Posten waren von 1921 bis 1928 in Addis Abeba, Äthiopien, sowie in einigen lateinamerikanischen Staaten. Nach der Machtübernahme der NSDAP verließ er 1934 seinen Botschafterposten, 1936 kehrte die Familie jedoch nach Berlin zurück. Fritz und Hedwig wurden beide von den Behörden als „Mischling“ klassifiziert, sie überlebten die NS-Zeit.

Hedwig Weiss-Sonnenburg

Hedwig Margarete Weiss-Sonnenburg, am 26. Oktober 1889 in Berlin geboren und am 5. September 1975 in Kitzingen verstorben, war eine deutsche Reiseschriftstellerin und Kinderbuchautorin. Hedwig war eine unternehmungslustige Frau, die die Welt kennenlernen wollte. 1911 heiratete sie Fritz Weiss und begleitete ihn für sechs Jahre nach Südwestchina, wo ihre beiden Töchter Jutta (1914) und Alice (1917) geboren wurden. Später waren sie in Äthiopien, wo ihr drittes Kind, Dieter, zur Welt kam, und Lateinamerika. Die Zeit in China hat Hedwig zeitlebens geprägt. In ihren Texten verarbeitet sie ihre Erlebnisse und Eindrücke von ihren Reisen. 1951 ändert sie ihren Namen in Wyss.

1899-1904: Die frühen Jahre in China

Nach dem Abschluss des Studiums in Jura und Chinesisch geht Fritz Weiss mit 22 Jahren zum ersten Mal nach China. Zunächst ist er in Qingdao tätig bei der Zollstelle des Deutschen Pachtgebiets Kiautschou, im Süden der Halbinsel Shandong an der chinesischen Ostküste. 1900 trat er als Dolmetscher in den Auswärtigen Dienst ein; er wurde bei den Konsulaten in Shanghai, Kanton, Tianjin und Nanjing eingesetzt.

1904-1910: Kommissarische Leitung des Konsulats in Chengdu

1904 wurde Fritz in die Provinz Sichuan nach Chengdu versetzt, wo er ab 1907 die kommissarische Leitung inne hatte. Kommissarisch hatte er mehrmals auch am Dienstsitz in Chongqing zu tun. Kurz vor seinem Heimaturlaub im November 1910 macht Fritz eine ausgedehnte Reise entlang des Anning- und Yalong-Flusses.

1910-1911: Heimaturlaub

Bei seinem Heimaturlaub (10.11.1910-14.11.1911) werden Fritz und Hedwig Sonnenburg über Carl Westphal bekannt gemacht. Westphal war Hedwigs Onkel und Fritz kannte ihn aus Shanghai. Sie heiraten im selben Jahr, da Fritz kurz darauf seinen Posten in Chengdu antreten muss. Das Paar ist mit aufwendigen Reisevorbereitungen und Abschied von der Heimat beschäftigt.

1911-1912: Rückkehr nach Chengdu

Hedwig begleitet Fritz nach China. In Shanghai angekommen fahren Sie den Yangzi hinauf bis nach Chongqing und Chengdu.

1912-1914: Konsul in Chengdu

Nach Bestehen der konsularischen Prüfung wird Fritz Weiss zum Konsul in Chengdu berufen. 1913 machen Fritz und Hedwig eine Reise zum Liangshan ins Gebiet des Yi-Volkes.

1914-1917: Aufbau des Konsulats in Yünnan-fu

1914 wird Fritz kommissarisch nach Yünnan-fu (heute Kunming), die Hauptstadt der Provinz Yunnan, versetzt, um dort ein neues Konsulat zu errichten. Hedwig begleitet ihn. Um nach Yunnan zu gelangen, mussten sie den Yangzi hinunter fahren bis Shanghai, von dort über See nach Hongkong und Haiphong reisen, und mit der Bahn via Hanoi nach Yünnan-fu fahren. Dort kommen die beiden Töchter Jutta (1914) und Alice (1917) zur Welt.

1917: Ausreise aus China

Mit Eintritt Chinas in den Ersten Weltkrieg werden die diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Die Weissens müssen China verlassen.